Mit den Expertenstandards sind die seit 1999 vom Deutschen Netzwerk zur Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) herausgegebenen Standards zu unterschiedlichen pflegerelevanten Themen gemeint.

Derzeit gibt es acht dieser Expertenstandards:

  • Dekubitusprophylaxe
  • Entlassungsmanagement
  • Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen
  • Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen
  • Sturzprophylaxe
  • Förderung der Harnkontinenz
  • Chronische Wunden
  • Ernährungsmanagement (wird aktualisiert)

Ein weiterer Standard, der hier jedoch keine Berücksichtigung finden wird, ist der sogenannte Expertinnenstandard “ Förderung der physiologischen Geburt“

Alle deutschen Einrichtungen der ambulanten und stationären Altenpflege sind per Gesetzt (§ 113a SGV XI) zur Umsetzung der Expertenstandards verpflichtet, mit dem Ziel, die Sicherung und Qualitätsentwicklung in der Pflege sicherzustellen. Ehe wir Ihnen in unserer Serie die einzelnen Standards vorstellen, möchten wir Ihnen kurz erläutern, wie ein solcher Standard entwickelt wird, woraus er besteht, und, wie Sie ihn interpretieren können.

Die Entstehung eines Expertenstandards

1. Thema finden
Mögliche Themen können beim Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, mit Sitz in Osnabrück, eingereicht werden. Hier wird zunächst die Relevanz des Themas für den Pflegeberich geprüft. Ebenfalls wird geprüft, ob genügend Literatur vorliegt und es eine ausreichende Anzahl an Experten zu dem Thema gibt.

2. Expertengruppe
Die sogenannte Expertengruppe setzt sich aus ca. 8-12 Personen zusammen. Darunter finden sich Mitglieder aus Pflegewissenschaft, Pflegepraxis und Patienten- bzw. Verbraucherverbänden.

3. Entwurf
Die Expertengruppe erarbeitet einen ersten Entwurf, der gewisse Kriterien erfüllen muss, wie z.B.:

  • Praxistauglich
  • Dem aktuellen Wissen entsprechen
  • Orientiert an den Bedürfnissen der Zielgruppe
  • Kooperationsebenen mit anderen Berufsgruppen und Institutionen aufzeigen
  • Messbar sein
  • Verbindliche Maßnahmen und verantwortliche Akteure benennen.

4. Konsensus-Konferenz
In der Konsensus Konferenz wird der erste Entwurf der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Es werden strukturierte Diskussionen zum Thema geführt. Sich daraus ergebende Anregungen zu Änderungen werden intensiv geprüft. Nach Abschluss und ggfs. Änderung, gibt es eine gedruckte Veröffentlichung.

5. Implementierung
Zunächst wird der neue Standard modellhaft in mehreren Einrichtungen der ambulanten und stationären Pflege implementiert. Dies dauert ca. 6 Monate. Im Anschluss daran erfolgt die abschließende Veröffentlichung des Standards. Diese Veröffentlichung beinhaltet die Ergebnisse der gesamten Entwicklung, ebenso wie Kommentar und Literaturstudie.

6. Aktualisierung
Die Expertengruppe wird jährlich befragt, ob die Notwendigkeit für Änderungen des jeweiligen Standards besteht. Spätestens nach 5 Jahren muss jedoch ein Standard aktualisiert werden.

Den Expertenstandard richtig interpretieren

Das Lesen eines Expertenstandards gestaltet sich durch seine tabellarische Form recht einfach. Jeweils ganz oben findet man eine Zielsetzung, sowie eine Begründung. Darunter finden sich die drei Spalten „Struktur“, „Prozess“ und „Ergebnis“, gemäß dem Qualitätsmodell nach Avedis Donabedian. Der Leser sollte wissen, dass ihm keine konkreten Handlungsschritte geboten werden. Daher ist die Implementierung eigener, individueller Standards, welche die Rahmenbedingungen der Expertenstandards erfüllen, Aufgabe jeder Einrichtung.

Unter „Strukturqualität“ versteht man die Infrastruktur, sowie vorhandene fachliche und personelle Ressourcen. Konkret finden wir hier Voraussetzungen und Erwartungen an die „Einrichtung“ und an die „Pflegefachkraft.“

Im Bereich „Prozessqualität“ wird die Durchführung erläutert. In der Regel findet hier ausschließlich die „Pflegefachkraft“ Berücksichtigung.

Als „Ergebnisqualität“ wird, ähnlich wie in einer Pflegeprozessplanung, ein vorweggenommener Zustand, ein Ziel, beschrieben.

 

Zusammenfassung des Expertenstandards

Die Expertenstandards in der Pflege sind aus der professionellen Pflege nicht mehr wegzudenken, denn sie tragen maßgeblich zu einer einheitlichen Qualitätsentwicklung bei. Dass es dennoch bedeutende Unterschiede zwischen den Einrichtungen gibt, liegt daran, dass in den Standards hauptsächlich auf Rahmenbedingungen eingegangen wird. Wie diese mit Leben gefüllt werden, liegt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Einrichtung.

Anhand der folgenden Informationen, möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, sich über die aktuellen Standards zu informieren. Vielleicht überprüfen Sie einmal gedanklich, wie diese ganz konkret in Ihrer Einrichtung umgesetzt werden.

1. Expertenstandard Dekubitus
2. Expertenstandard Sturz
3. Expertenstandard Schmerz
4. Akute Schmerzen (Text folgt in Kürze)
5. Förderung der Harnkontinenz (Text folgt in Kürze)
6. Entlassungsmanagement (Text folgt in Kürze)
7. Ernährungsmanagement (Text folgt in Kürze)
8. Expertenstandard chronische Wunden
9. Erhaltung und Förderung der Mobilität (Einführung voraus. Herbst 2016)