Basale Stimulation in der Pflege – ein umfassendes Konzept zur Förderung von Wahrnehmung und Lebensqualität

Die basale Stimulation stammt aus der Pädagogik und spielt mittlerweile eine entscheidende Rolle in der Pflege. Sie erhöht die Lebensqualität von schwerstbeeinträchtigten Menschen und ist vielfältig anpassbar. Zusätzlich lässt sich die Aktivierung leicht durchführen und problemlos in pflegerische Tätigkeiten integrieren.

Was ist basale Stimulation?

Bei der basalen Stimulation handelt es sich ursprünglich um ein pädagogisches Konzept, das von Andreas D. Fröhlich für die Sonderpädagogik entwickelt wurde. In Zusammenarbeit mit der Pflegewissenschaftlerin Christel Bienstein wurde das Konzept auf die Pflege übertragen. Im Rahmen der basalen Stimulation werden Wahrnehmungsbereiche aktiviert, Körper- und Bewegungserfahrungen ermöglicht, eine non-verbale und individuelle Kommunikation aufgebaut und Eigentätigkeiten gefördert. Die zahlreichen möglichen Aktivitäten basieren zum einen auf vorgeburtlichen Erfahrungen, an die die Förderung anschließt. Zum anderen werden die fünf Sinne angesprochen.

Wie funktioniert basale Stimulation?

Die Förderung ist ein umfassendes Konzept, das die Anregung aller Sinne beinhaltet und dadurch vielseitig ausgeführt werden kann. Licht, Farben und Lichtspiele, Klänge, Musik und Rhythmen, Lagerung, Transport, Vibrationen und Transport gehören ebenso dazu wie Berührungen. Die Förderung erfolgt individuell und zielt darauf ab, die Wahrnehmung von schwerstkranken, schwerstbehinderten und schwerstbeeinträchtigen Menschen zu erhöhen und sie damit am Leben teilhaben zu lassen. Sie sollen sich selbst besser spüren und bestenfalls kommunizieren können.

Was bringt basale Stimulation?

Die Ziele der basalen Stimulation in der Pflege umfassen:

  • die Verbesserung der Lebensqualität
  • das Erhöhen der Körperwahrnehmung
  • verbesserte Wahrnehmung der Umwelt
  • fördern von Eigentätigkeiten
  • Aufbau einer Beziehung zum Patienten

Die Aktivierung soll das Wohlgefühl und die Lebensqualität steigern. Zusätzlich kann die Kooperation durch den Aufbau einer Beziehung zunehmen. Da Eigentätigkeiten unterstützt werden, lassen sich fallabhängig Fortschritte in der Motorik und Kommunikation beobachten.

Hilft basale Stimulation bei Demenz?

In den fortgeschrittenen Stadien der Demenz sind Körperwahrnehmung, Koordination, Kommunikation und Identität der Erkrankten zunehmend eingeschränkt. Sie erleben zudem innere Unruhe, die wiederum zu Manierismen führt. Methoden der basalen Stimulation helfen dabei, den Abbau zu verlangsamen und beruhigen. Daraus entstehen Vorteile für Betroffene und Pflegende zugleich.

Wie wird basale Stimulation durchgeführt?

Die Anwendung und Auslegung der basalen Stimulation erfolgen immer auf den Menschen abgestimmt und somit individuell. Einen festen, pauschalen Fahrplan kann es für die Methoden nicht geben. Stattdessen finden sich zahlreiche Möglichkeiten, das Konzept in den Alltag zu integrieren. Eine Voraussetzung gibt es bei der Aktivierung, die ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.

Aufbau einer Routine

Einen festen Rhythmus zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen aufzubauen, kreiert Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Sicherheit. Mit der zunehmenden Gewöhnung steigen Bereitschaft und Kooperation. Wiederholungen im Ablauf begünstigen Eigentätigkeiten und stellen eine Erleichterung für Pflegende dar. Neue Stimulierungen werden langsam und sanft eingeführt, um Abwehr und Ängste zu vermeiden oder gering zu halten.

Lagerung und Transport

Verschiedene Positionen sind zum einen wichtig für den Körper. Zum anderen ermöglichen sie unterschiedliche Sichtbereiche und Körpererfahrungen. Bei der Lagerung sollte daher auf die Umwelt und die Eindrücke geachtet werden. Häufigere Wechsel und der Transport in einem Rollstuhl schaffen neue Reize und Perspektiven. Sie helfen dem Betroffenen dabei, sein Umfeld vielfältiger zu betrachten und zu begreifen.

Erzählungen, Klänge und Vibration

Ein Teil der basalen Stimulation bezieht sich auf das Aktivieren der auditiven Wahrnehmung. Dazu gehört es bereits, die Patienten anzusprechen, Schritte der Pflege laut zu erklären, auf das Wetter, andere Menschen oder die Pläne für den heutigen Tag hinzuweisen. Geschichten vorzulesen oder Hörbücher und Musik laufen zu lassen, kann auch in Ruhephasen förderlich sein. Schlag- und Klanginstrumente können abhängig vom Patienten vorgespielt oder selbstständig genutzt werden.

Klänge und Vibrationen lassen sich zudem über andere Medien erfahren. In einem Wasserbett lassen sie sich beispielsweise großflächig auf die Haut übertragen. Das Anfassen eines Gitarrenkorpus während des Spielens vermittelt sie auf die Fingerspitzen.

Visuelle Förderung

Mobiles, Lichtspiele, Wasserspiele, Beleuchtungskörper und der Aufenthalt im Freien stimulieren den visuellen Sinn. Vom Betrachten eines Aquariums bis zum Malen finden sich mannigfaltige Möglichkeiten, Abwechslung zu bieten.

Körperwahrnehmungen und Bewegungen

Die Hand streicheln, das Haar bürsten, ein Bällebad, Schwimmbad, Bewegungsübungen und Massagen fallen in diese Kategorie. Zusätzlich zu den passiven Optionen sind abhängig von den Einschränkungen und der Mobilität auch aktive Erfahrungen und Wahrnehmungen möglich. Dazu gehört beispielsweise das Streicheln in der tiergestützten Therapie, das Berühren und Begreifen unterschiedlicher Texturen, Bewegungsspiele und Physiotherapie.

Nahrungsaufnahme

Zu schmecken, Essen und Getränke zu genießen, verbindet die Aktivierung des Geschmackssinns mit Lebensqualität, Wohlbefinden und Grundbedürfnissen. Die Nahrungsaufnahme dient daher generell der basalen Stimulation, solange Sie angenehm und abwechslungsreich gestaltet wird. Appetitanregende Düfte, Gewürze und Geschmacksrichtungen bieten bereits mehrere Möglichkeiten der Aktivierung. Unterstützung beim Essen, verschiedene Angebote, Fingerfood und sogar Hilfe bei der Zubereitung sind sinnvoll, um das Speisen zu einer sensorischen Erfahrung werden zu lassen und mit weiteren Aspekten zu verbinden.

Sofern es die Situation und die Einschränkungen erlauben, ist es besser, auf das Füttern zu verzichten. Die Assistenz sollte leicht ausfallen und die Nahrung so aufbereitet sein, dass mit Besteck oder mit Händen zu essen problemlos möglich ist. Je stärker die Eigenständigkeit gefördert wird, desto größer ist der Effekt.

Basale Stimulation ist immer individuell

Die zahlreichen und mannigfaltigen Möglichkeiten der sensorischen Aktivierung nach Fröhlich und Bienstein sind ein entscheidender Vorteil in der Pflege. Da bereits kleine Anreize ausreichen, ist die basale Stimulation einfach in der Umsetzung und gut kombinierbar. Ausschlaggebend ist die individuelle Anpassung. Der Pflegebedürftige ist ein Individuum, mit Stärken, Schwächen und Präferenzen. Diese Faktoren zu erkennen, zu respektieren und entsprechend zu fördern, ist für alle Beteiligten ein Zugewinn. Gleichzeitig stellt es eine Herausforderung für die Pflegenden dar. Vor allem bei non-verbalen Patienten erfordert es daher ein hohes Maß an Beobachtung, Feinfühligkeit und Geduld, um die passenden Methoden zu finden und abzustimmen.

Die enorme Bandbreite an praktischen Anwendungen der basalen Stimulation eröffnet ein weites Feld an Varianten und Abwechslung. Elementar für den Einsatz ist das genaue Hinschauen. Anzeichen für das Gefallen und Verbesserungen fallen oftmals subtil aus. Mit der wachsenden Beziehung fällt es zunehmend leichter, die Signale zu erkennen.

Gemeinsam mit dem Einsatz der Methoden wird das Bewusstsein für den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen und die Feinheiten dabei gestärkt. Anwender erleben selbst einen Perspektivwechsel, der Entspannung und mehr Kreativität mit sich bringt. Details fallen stärker auf und werden intensiver anerkannt. Dabei handelt es sich um eine Fähigkeit, die die Pflege merklich erleichtern kann und die Resilienz stärkt.


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