Was bedeutet Validation in der Pflege und wozu ist sie gut?

Validation in der Pflege

Stellen Sie sich vor: Es ist kurz nach Mittag, Sie begleiten Frau S. zum Essen. Sie finden sie in ihrem Zimmer, wie sie emsig einen Tisch wischt, den es in ihrer Vorstellung zu putzen gilt, weil „die Kinder gleich von der Schule kommen“. Frau S. hat Demenz. Ein rationaler Hinweis auf die Uhrzeit oder die erwachsenen Kinder bringt nichts – er landet in einer Welt, die für Frau S. gerade nicht existiert.

Genau für diese Situationen gibt es die Validation in der Pflege. Sie ist keine Therapie im medizinischen Sinne, sondern eine Haltung: Menschen mit Demenz dort begegnen, wo sie gedanklich gerade sind – mit Wertschätzung, Empathie und ohne Korrekturen. Was das konkret bedeutet, wie die wichtigsten Methoden funktionieren und warum es sich als Pflegefachkraft lohnt, diese Technik zu beherrschen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Validation nach Naomi Feil: Die therapeutische Wurzel

Der Begriff „Validation“ geht auf die amerikanische Sozialarbeiterin Naomi Feil zurück, die ihn in den 1960er und 1970er Jahren entwickelte. Feils Ansatz basiert auf der Annahme, dass desorientierte ältere Menschen unerledigte Lebensaufgaben mit sich tragen. Diese Aufgaben drängen im hohen Alter an die Oberfläche – und die Validation soll helfen, sie zu bearbeiten.

Konkret bedeutet das: Die Pflegekraft versucht, durch gezieltes Nachfragen und einfühlsames Zuhören die emotionalen Themen hinter dem Verhalten zu verstehen. Was treibt den Menschen an? Was beschäftigt ihn? Die Validation nach Feil arbeitet mit Gesprächstechniken wie dem Wiederholen von Schlüsselworten, dem Spiegeln von Körpersprache und dem Erfragen von Gefühlen. Sie ist eher auf ältere, schwer desorientierte Menschen ausgerichtet und verfolgt einen therapeutischen Anspruch.

Im Pflegealltag wird dieser Ansatz heute eher selten in Reinform angewendet – er erfordert intensive Schulung und ist zeitaufwendig. Für viele Situationen hat sich die Weiterentwicklung von Nicole Richard als praktikabler erwiesen.

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Integrative Validation nach Nicole Richard: Ressourcen statt Defizite

Die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard entstand in den 1990er Jahren und unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von Feils Ansatz: Sie setzt nicht auf die Bearbeitung von Vergangenem, sondern auf die noch vorhandenen Ressourcen des erkrankten Menschen. Richard, eine deutsche Psychogerontologin, ging davon aus, dass Menschen mit Demenz ihre Welt in Bruchstücken wahrnehmen – Neues können sie kaum noch aufnehmen, aber emotionale Erinnerungen und Antriebe bleiben erhalten.

Die IVA validiert genau diese Antriebe. Sie fragt nicht: „Was hat der Mensch früher erlebt und nicht verarbeitet?“ – sondern: „Was fühlt er gerade, was treibt ihn an, und wie begegne ich ihm darin mit Würde?“ Das macht die Methode schlanker und direkt in den Pflegealltag integrierbar – ohne aufwendige Vorgespräche oder therapeutisches Setting.

Wichtig: Richard nannte ihre Methode bewusst „integrativ“, weil sie sich gut mit anderen Konzepten kombinieren lässt – etwa mit dem personenzentrierten Ansatz nach Tom Kitwood oder der basalen Stimulation. Einen Vergleich dieser Konzepte finden Sie in unserem Beitrag zu den 12 positiven Interaktionen nach Tom Kitwood.

So funktioniert Validation in der Praxis – Schritt für Schritt

Kehren wir zu Frau S. zurück. Eine Pflegekraft, die validierend arbeitet, geht in dieser Situation in drei Schritten vor:

Schritt 1: Beobachten und verstehen. Was tut Frau S. gerade? Sie putzt – mit Konzentration, mit Eifer, mit einem Lächeln. Der Antrieb dahinter: Pflichtbewusstsein, Fürsorge, Verantwortung für die Familie. Diesen Antrieb gilt es zu erkennen, bevor ein Wort gesprochen wird.

Schritt 2: Benennen und bestätigen. Die Pflegekraft spricht das Gefühl direkt an: „Frau S., Sie sind immer so fleißig. Man sieht, dass Ihnen Ordnung wichtig ist.“ Frau S. fühlt sich wahrgenommen – nicht korrigiert, nicht umgeleitet. Dieser Moment der Bestätigung ist der Kern der Validation.

Schritt 3: Verallgemeinern mit Sprache, die resoniert. Sprichwörter, Liedzeilen, vertraute Redewendungen helfen, die emotionale Ebene zu festigen: „Ohne Fleiß kein Preis.“ Danach erst – wenn Frau S. sich wirklich gehört fühlt – bietet die Pflegekraft die Umlenkung an: „Wer viel arbeitet, muss auch mal Pause machen. Kommen Sie kurz mit zum Essen?“

Das Ergebnis in vielen Pflegesituationen: Die Person geht mit. Nicht weil sie überredet wurde, sondern weil sie sich verstanden fühlt. Kein Machtkampf, keine Eskalation, keine Einschreibung im Pflegebericht unter „unruhig, ohne Erfolg“.

Dieser Dreischritt lässt sich üben – und er lässt sich variieren. Die einzelnen Schritte sind keine starre Abfolge, sondern ein Werkzeugkasten, den erfahrene Pflegekräfte intuitiv einsetzen.



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Validation in der Pflege: Was sie kann – und was nicht

Ein häufiges Missverständnis: Validation wird im Pflegebericht oft pauschal notiert, ohne dass klar ist, welche Technik konkret angewendet wurde oder was das Ziel war. „Bin validierend auf sie eingegangen – ohne Erfolg“ sagt wenig aus. War es wirklich Validation – oder war es ein Versuch der Beruhigung ohne echtes Einlassen auf die emotionale Ebene?

Validation ist kein Allheilmittel. Sie funktioniert nicht in jedem Moment, nicht bei jedem Menschen und nicht ohne ein Mindestmaß an erhaltenem Sprachvermögen. Wer keine Sprache mehr als Medium nutzen kann, braucht andere Zugänge – etwa nonverbale Kommunikation, Berührung oder Musik. Validation ergänzt das Repertoire, ersetzt es aber nicht.

Was sie jedoch kann: den Pflegealltag in konkreten Konfliktsituationen erheblich entlasten. Situationen, die sonst mit Druck, Widerstand oder emotionalem Stress enden, lassen sich oft mit einem einzigen validierenden Satz deeskalieren. Das ist kein kleiner Effekt – gerade in Einrichtungen, in denen der Personalschlüssel eng ist und keine Zeit für lange Auseinandersetzungen bleibt.

Mehr zum Umgang mit belastenden Pflegesituationen, auch in Bezug auf Teamarbeit und Kommunikation, finden Sie in unserem Beitrag zur Empathie in der Pflege.

Validation lernen: Wie erwerbe ich diese Kompetenz?

Validation ist erlernbar. Beide Ansätze – nach Feil und nach Richard – werden in zertifizierten Fortbildungen vermittelt. Für die IVA nach Nicole Richard gibt es lizenzierte Trainer, die das Konzept nach einem festgelegten Curriculum weitergeben. Eine eintägige Einführung reicht oft aus, um die Grundtechniken zu verstehen – die eigentliche Kompetenz entsteht aber im täglichen Üben.

Viele Pflegeeinrichtungen bieten hausinterne Schulungen an. Wer sich für eine neue Stelle interessiert und dabei Wert auf strukturierte Fortbildungsangebote legt, sollte diesen Punkt gezielt im Vorstellungsgespräch ansprechen. Einrichtungen, die in die Fachkompetenz ihrer Pflegekräfte investieren, zeichnen sich häufig auch durch bessere Arbeitsbedingungen insgesamt aus.

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Was ist Validation in der Pflege?

Validation ist eine Kommunikationsmethode für den Umgang mit Menschen mit Demenz. Statt Verhalten zu korrigieren oder in die eigene Realität zurückzuholen, werden die Gefühle und Antriebe des erkrankten Menschen anerkannt und wertgeschätzt. Das Ziel ist nicht Heilung, sondern Würde, Ruhe und Lebensqualität.

Was ist der Unterschied zwischen Validation nach Feil und integrativer Validation?

Die Validation nach Naomi Feil verfolgt einen therapeutischen Ansatz und zielt darauf ab, unerledigte Lebensaufgaben zu bearbeiten. Die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard konzentriert sich auf die noch vorhandenen Ressourcen des Menschen und ist stärker auf den praktischen Pflegealltag ausgerichtet. Beide Methoden setzen auf Empathie und Akzeptanz, unterscheiden sich aber in Theorie und Anwendung.

Für wen ist Validation geeignet?

Validation eignet sich für Menschen mit leichter bis schwerer Demenz, solange ein Mindestmaß an Sprachvermögen vorhanden ist. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen, in denen Sprache kaum noch möglich ist, müssen ergänzende Methoden wie nonverbale Kommunikation oder basale Stimulation eingesetzt werden.

Kann ich Validation als Pflegekraft einfach so anwenden?

Die Grundprinzipien sind nach kurzer Einarbeitung anwendbar. Eine zertifizierte Fortbildung – zum Beispiel in der IVA nach Nicole Richard – hilft jedoch, die Technik sicher und situationsgerecht einzusetzen. Validation ist erlernbar und wird mit Übung zur selbstverständlichen Haltung im Pflegealltag.