Empathie in der Pflege – wie Mitgefühl den Arbeitsalltag erleichtert

Empathie in der Pflege

Empathie als Fähigkeit, sich in andere einzufühlen und einzudenken, ist eine wichtige Voraussetzung in der Pflege. Leider wird sie häufig falsch ausgelegt und geht spätestens bei Überforderung verloren. Dabei ist es gerade die Empathie, die Pflegekräften den Arbeitsalltag und das Leben erleichtern und damit sogar gesundheitlichen Problemen und einem Burnout vorbeugen kann. Entscheidend ist die richtige Umsetzung.

Empathie als Hilfe in der Pflege

Mitgefühl und Verständnis sind Kernvoraussetzungen in Pflegeberufen und oftmals die treibenden Kräfte hinter der Berufswahl. Wer anderen gerne hilft, sollte demnach seinen Traumjob in der Pflege finden. Doch die Realität sieht allzu oft anders aus, wenn vor allem Stress und Druck vorherrschen und die Empathie der Belastung zum Opfer fällt. Emotional überfordert zu sein und dabei allmählich auszubrennen, ist für viele ein Dauerzustand. Manche stumpfen ab und treten unterkühlt auf, um sich vermeintlich selbst zu schützen. Andere steuern auf ein Burnout in der Pflege zu.

Richtig verstandene und eingesetzte Empathie kann Abhilfe schaffen. Sie ist ein wichtiges Hilfsmittel für Fachkräfte und pflegende Angehörige zugleich und reduziert den Stress dieser herausfordernden Aufgaben. Denn: Wer Bewohner oder Patienten versteht und sich in sie hineinversetzen kann, gewinnt ein entspannendes Verständnis.

Scheinbar schwierige Patienten und dadurch immer wiederkehrende herausfordernde Situationen zehren an den Kräften. Sie können bereits im Vorfeld Unwillen und Ärger erzeugen. Der negativ empfundene Umgang verbraucht erhebliche Ressourcen und wirkt sich nachhaltig auf Psyche, Motivation und Körper aus. Hinzu kommt, dass häufig deutlich mehr Zeit als nötig aufgewendet werden muss. Diese nachteiligen Folgen ziehen sich weit über den Feierabend hinaus, was das Abschalten und Erholen verhindert.

Compliance gewinnen durch empathisches Verhalten

Wer einen wirklich empathischen – und keinen mitleidigen – Umgang mit Patienten pflegt, geht bei der Kommunikation anders vor. Verständnis für die wahren Beweggründe der Person entsteht.

Anstatt sich über eine Situation zu ärgern oder den Frust eines Patienten auf sich selbst zu beziehen, können empathische Pflegekräfte die Probleme objektiver betrachten. Auf dieser Basis lässt sich deutlich einfacher und bestenfalls gemeinsam nach einer Lösung suchen, die passend für beide Seiten ist. Pflegebedürftige Personen fühlen sich dadurch verstanden, ernst genommen und respektiert. Das ist wiederum die optimale Basis für Compliance. Gehen Empathie und Kommunikation Hand in Hand, steigen Kooperation und Zufriedenheit bei allen Beteiligten. Patienten und Pflegende werden zu einem Team, das miteinander arbeitet und nicht zu Konkurrenten, die gegeneinander arbeiten.

Hierbei hilft es, dem Patienten Fragen zu stellen und Optionen zur Auswahl zu stellen. „Wir müssen zusammen das Ziel erreichen. Möchten Sie A oder B versuchen, um das zu schaffen?“ Ebenfalls sinnvoll ist es, den Patienten selbst helfen zu lassen. Das fördert die Selbstwirksamkeit und damit das Selbstbewusstsein und den Selbstwert. In der Folge kommt es zur aktiven Kooperation. Wird dies noch von ehrlicher und respektvoller Anerkennung abgerundet, werden aus anstrengenden Situationen positive Erfahrungen.

Empathie und die Zeitfrage

Wenn sich viele Probleme mit empathischem und geduldigem Vorgehen lösen und vereinfachen lassen, warum geht dann nicht jeder so vor? Jeder, der in der Pflege arbeitet, weiß: Die Zeit fehlt. Aber stimmt das wirklich in jedem Fall? Genaues Hinsehen lohnt sich.

Besteht der Arbeitsalltag aus Energiefressern und unkooperativen Patienten, fallen selbst einfache Aufgaben unnötig schwer. Die Kräfte sind schneller erschöpft und nicht selten liegen die Nerven blank. Hierdurch fehlt auch die Kapazität für Empathie. Empathieloses Vorgehen kostet in der Folge mehr Zeit und Kraft. Ein Teufelskreis entsteht.

Am Anfang Zeit in einen mitfühlenden und verständnisvollen Umgang zu investieren, erleichtert die Arbeit hingegen, schont die Kräfte und kann fortlaufend Zeit sparen. Es ist also eine Investition, die sich fortlaufend auszahlt. Zusätzlich bedeutet empathisches Vorgehen, grundlegende Probleme der Patienten zu erkennen. Vielleicht ist eine pflegebedürftige Person nur deswegen „schwierig“, weil sie außerhalb der Interaktion mit Pflegepersonal einsam ist und der soziale Faktor fehlt oder sie sich langweilt. Lässt sich dies lösen und damit mehr Lebensqualität kreieren, wächst die Compliance und der Zeitaufwand sinkt.

Fehlt die Zeit aufgrund von Personalknappheit oder unrealistischen Vorstellungen der Arbeitgeber, hilft nur die Kommunikation mit Vorgesetzten. Ist auch das nicht zielführend, sollte zum Selbstschutz ein Wechsel der Arbeitsstelle in Betracht gezogen werden. Denn selbst richtig angewendete Empathie hat ihre Grenzen.

Empathie bedeutet auch Selbstfürsorge

Empathie wird häufig mit Mitleid verwechselt. Ebenso häufig wird das Mitgefühl und die Fähigkeit, sich in andere hineinzufühlen und zu -denken mit Selbstaufgabe gleichgesetzt. Doch beides trifft nicht zu. Jemanden zu verstehen ist nicht gleichbedeutend damit, alle Probleme zu übernehmen und sie zu lösen. Gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, Alternativen zu nennen oder an jemanden zu verweisen, der dieses Problem lösen kann, ist von entscheidender Bedeutung. Denn es zeigt zum einen deutlich, dass der Wille zum Helfen vorhanden ist. Das hat einen positiven Einfluss auf die Beziehung.

Zum anderen weist es deutlich die eigenen Grenzen hin. Diese sollte sich jeder regelmäßig und wohlwollend bewusst machen und ehrlich damit umgehen. Fällt etwas in den Aufgabenbereich von Betreuer, Sozialarbeiter oder Arzt, können und sollten diese informiert werden. Auch das Hinzuziehen von Kollegen oder Vorgesetzten kann sinnvoll sein. Dadurch wird Hilfe geleistet, ohne sich selbst zu viel zuzumuten und ohne dabei empathielos aufzutreten.

Die Empathie sollte sich zudem auf die eigene Person erstrecken. Reflektion, Verständnis und Selbstfürsorge sind entscheidende Voraussetzungen dafür, anderen Menschen empathisch gegenüberzutreten. Die Resilienz hängt davon ab und das Risiko für einen Burnout sowie andere gesundheitliche Probleme sinkt, wenn diese Faktoren ernst genommen und praktiziert werden. Oftmals sind dafür mehrere Erinnerungen und Übungen notwendig. Aus diesem Grund finden sich Programme wie empCare, die Empathie und ihre Vorteile in Pflegeberufen in den Vordergrund rücken, die Pflegefachkraft dazu befähigen, empathisch vorzugehen und dadurch den Stress zu reduzieren. Aus einer vermeintlichen Schwäche und einer Voraussetzung wird auf diese Weise eine Stärke mit weitreichenden Auswirkungen.

Empathie ist Übungssache

Sich in die Lage anderer zu versetzen und mitzufühlen, ohne mitleidig zu sein, erfordert Übung. Auch die Selbstfürsorge darüber nicht aus den Augen zu verlieren, gestaltet sich oftmals schwierig. Regelmäßige Erinnerungen, ein bewusster Umgang und Auszeiten sind ebenso ausschlaggebend wie ein authentisches Vorgehen. Lässt sich heute keine Energie mehr für Empathie aufbringen, kann das offen geäußert werden. Erschöpfung ist verständlich und löst weder Unsicherheiten noch Ängste oder Frust beim Gegenüber aus. Denn auch die Gegenseite ist bei entsprechend offener Kommunikation meist empathischer als gedacht.


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