Kann in der Altenpflege über Gehalt verhandelt werden?

Was in der freien Wirtschaft längst üblich ist, nämlich sein Gehalt etwa alle 18 Monate mit seinem Chef zu verhandeln, ist in der Pflegebranche noch immer eine Art Tabu. Die Ursachen sind vielfältig. Sei es der Gedanke, dass man ja einen sozialen Beruf ausübt, oder die Tatsache, dass uns Chefs und Politiker gleichermaßen erzählen, dass sämtliche Kassen im Sozial- und Gesundheitswesen nahezu leer sind. Darüber kann man denken, wie man möchte und sicherlich gehen hier auch Meinungen auseinander. Nichts desto trotz müssen auch wir Altenpfleger unseren Lebensunterhalt verdienen und sollten uns nicht unter Wert verkaufen.

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Und da stellt sich schon die erste Frage: Was bin ich meinem Unternehmen eigentlich wert? Dies hängt sicherlich auch davon ab, ob Sie eine Weiterbildung in der Altenpflege absolviert haben. In vielen Unternehmen ist es durchaus üblich, eine erfolgreiche Weiterbildung z.B. gerontopsychiatrische Pflege, Wundmanagement oder Praxisanleitung als Anlass zu nehmen, Ihnen zwar mehr Aufgaben zuzuweisen, jedoch nicht, um Ihr Gehalt aufzubessern. Und da man ja ein sozial denkender Mensch ist, den sein Beruf ausfüllt und dem die Dankbarkeit des Pflegebedürftigen auch so etwas wie Erfüllung ist, nimmt man Abstriche beim Gehalt billigend in Kauf. Helfersyndrom lässt grüßen.

Erfolgreiche Strategie für eine Gehaltverhandlung

Gerade als Berufsanfänger ist man oft unsicher, was das Gehalt im ersten richtigen Altenpflege Job angeht und es ist nur natürlich, dass man die Erwartungen vielleicht etwas nach unten schraubt. Dabei haben Sie einen der zukunftssichersten Berufe dieses Jahrhunderts. Als Altenpfleger sind Sie nämlich Mangelware und die Einrichtungen reißen sich förmlich um Sie. Sie sind gut ausgebildet. Sie tragen hohe Verantwortung. Sie leisten gesellschaftlich hochwichtige Arbeit. Ihr Arbeitgeber braucht Sie so nötig, wie ein Auto Treibstoff, oder besser noch: wie es einen Fahrer braucht. Das wird Ihnen bei Gehaltsverhandlungen ganz eindeutig in die Karten spielen, wenn Sie wissen, wie Sie diesen Trumpf ausspielen.

 

Das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Altenpflegers liegt bei etwa 2200 bis 2500 Euro brutto. Kommt ein Tarifvertrag zur Anwendung kann das Einstiegsgehalt auch etwas höher liegen. Hier kann es sich vor Gehaltsverhandlungen lohnen, mal einen Blick in die Tabellenentgelte der einzelnen Tarifverträge zu werfen. Warum sollten Sie in einem privaten Unternehmen erheblich weniger verdienen, als in einer Einrichtung eines Wohlfahrtsverbandes oder eines kirchlichen Trägers.

Gehaltsverhandlung Altenpflege Statistik

 

Das Wort Haustarif, wie man es häufig in privaten Einrichtungen findet, hat dagegen einen Beigeschmack von Gehaltsverzicht. Aber wo viel Schatten ist, ist auch ein kleines bisschen Licht. Krempeln Sie die Ärmel hoch und machen Sie es den Arbeitnehmern in der freien Wirtschaft nach – treten Sie selbstbewusst für ein anständiges Gehalt ein.

Gehaltsverhandlung Altenpflege – zwei Szenarien

Üblicherweise gibt es zwei Anlässe über sein Gehalt in der Altenpflege zu verhandeln.

  1. Sie bewerben sich auf einen Altenpflege Job
  2. Sie haben bereits einen Job als Altenpfleger und möchten Ihr Gehalt verbessern

Gerade im ersten Fall sollte man relativ unbefangen an die Sache herangehen. Man kennt Sie nicht, und Sie wissen ebenfalls nicht, worauf Sie sich einlassen. Danken Sie immer daran – in der heutigen Zeit will man Sie unbedingt. Man braucht Sie und man möchte Sie eigentlich lieber gestern als morgen einstellen. Wenn Sie selbstbewusst ein wirklich angemessenes Altenpflege Gehalt fordern, dann führen Sie nicht den Beweis, geldgierig zu sein, sondern, sich um Ihre Belange kümmern zu können. Vielleicht führen auch Sie ein kleines Wirtschaftsunternehmen, allgemein als Familie bekannt, und müssen das Unternehmen „am Laufen“ halten. Legen Sie im Gespräch dar, welchen Nutzen Ihr neuer Arbeitgeber von Ihnen hat. Haben Sie bereits eine oder mehrere Weiterbildungen absolviert, dann sollte sich das auf Ihren „Marktwert“ positiv auswirken. Seien Sie an dieser Stelle selbstbewusst. Als Berufsanfänger sollten Sie zwar „kleinere Brötchen backen“, doch auch Sie müssen Ihren Lebensunterhalt verdienen. Dennoch müssen Sie damit rechnen, nicht gleich soviel zu verdienen, wie ein Kollege, der schon seit mehreren Jahren im Unternehmen ist. Wenn es Ihnen möglich ist, sprechen Sie mit künftigen Arbeitskollegen, damit Sie sich eine realistische Vorstellung Ihrer Verhandlungsbasis machen können. Legen Sie auf Ihr Wunschgehalt gedanklich noch ein- oder zweihundert Euro drauf und prägen Sie sich diese Summe Mantra-mäßig ein. Gehaltsverhandlungen sind nichts anderes als Feilscherei. Der Personaler, darauf getrimmt, die Kosten niedrig zu halten, nennt eine ziemlich kleine Summe und Sie eine ziemlich große. Einigung wird in der Mitte erzielt.

 

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