Der Expertenstandard Schmerz in der Pflege bei chronischen Schmerzen wurde vom „Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege“ (DNQP) im Jahr 2015 herausgegeben. Gerade Altenpfleger/Krankenpfleger haben im Rahmen ihrer täglichen Arbeit häufig mit chronischen Schmerzen zu tun. Viele kennen den Satz: „Schmerzen muss man heute nicht mehr haben.“ Dem stimmen wir voll und ganz zu. Um dieses Ziel zu erreichen benötigt man ein gut funktionierendes Schmerzmanagement. Dieses lässt sich in keinem Fall allein bewältigen Hier ist es mehr denn je wichtig ein multiprofessionelles Team hinter sich zu wissen. Der Expertenstandard Schmerz gehört zu den komplexeren Themenfeldern pflegerischen Handelns.

Im Folgenden möchten wir Ihnen dieses wichtige Thema gerne näherbringen, indem wir uns auf den Standard Schmermanagement beziehen.

Das Ziel des Expertenstandards Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen

„Jeder Patient/Bewohner mit chronischen Schmerzen erhält ein individuell angepasstes Schmerzmanagement, das zur Schmerzlinderung, zu Erhalt oder Erreichung einer bestmöglichen Lebensqualität und Funktionsfähigkeit sowie zu einer stabilen und akzeptablen Schmerzsituation beiträgt und schmerzbedingten Krisen vorbeugt.“

Um sich dem Ziel zu nähern, muss eine Definition des Begriffes „Schmerz“ vorangestellt werden.

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“

Die Frage, ab wann ein Schmerz als chronisch zu betrachten ist, lässt sich nicht anhand eines festgelegten Zeitpunktes beantworten. Hier ist vielmehr ausschlaggebend wie sich das Schmerz- und Krankheitserleben des Einzelnen darstellt. Eine wichtige Rolle spielt daher das individuelle Zusammenspiel von physiologischen und psychologischen Faktoren.

Daraus lässt sich folgern, dass zur erfolgreichen Schmerzbehandlung sowohl physiologische, als auch psychologische Bedürfnisse Beachtung finden müssen.

Hier ist zunächst zu erklären, was unter einer „stabilen Schmerzsituation zu verstehen ist. Dies zeichnet sich, so des Expertenstandards, durch folgende Punkte aus:

  • Die betroffene Person erlebt seine Schmerzsituation als akzeptabel. Eine Veränderung des Zustands wird von ihr nicht gewünscht.
  • Es liegen sogenannte „Zielkriterien für Stabilität“ vor, die sich an der Lebenswelt des Betroffenen orientieren und mit ihm ausgehandelt sind.
  • Es liegen gemeinsam entwickelte Strategien vor, die in Situationen Anwendung finden, welche die Stabilität gefährden können. Angehörige sind dabei einzubeziehen.

Daraus leitet der Expertenstandard chronischer Schmerz gleichsam Faktoren für eine instabile Schmerzsituation her.

  • Die Schmerzsituation und -linderung entspricht dauerhaft nicht einer akzeptablen Lebenssituation.
  • Es treten gesundheits- oder alltagsbezogene Krisen auf.
  • Es bestehen Versorgungsbrüche, die nicht kompensiert werden können, z.B. durch Familie, Freunde oder Bekannte.
  • Es treten Komplikationen oder Nebenwirkungen im Rahmen der Therapie auf.
  • Die Lebensqualität ist so gemindert, dass sie dem geäußerten, aber auch dem mutmaßlichen Willen des Betroffenen nicht mehr entspricht.

Der Umgang mit Schmerzen einfach erklärt (Video)

Die Umsetzung des Expertenstandard Schmerz

Aufgrund der hohen Bedeutung für den pflegerischen Alltag möchten wir uns ganz dicht am Expertenstandard Schmerz orientieren und Ihnen die einzelnen Kriterien erläutern. Dabei konzentrieren wir uns auf die „Strukturkriterien“, sowie auf die „Prozesskriterien“.

Im Bereich der Strukturkriterien müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein.

Die Einrichtung:

  • Verfügt über Mittel zur Dokumentation
  • Stellt spezifische Assessmentinstrumente bereit (z.B. Nummerische Rang Skala, BESD etc.)
  • Gewährleistet, dass pflegerische Schmerzexperten verfügbar sind. Diese können eigene, speziell geschulte Mitarbeiter, aber auch externe Dienstleister sein.
  • Greift das Thema Schmerzmanagement in Verfahrensanweisungen auf
  • Schult ihre Mitarbeiter
  • Muss gewährleisten, dass medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen zur Schmerzbehandlung durchgeführt werden können.

Die Pflegefachkraft:

  • Ist zum Thema Schmerz nach dem aktuellen Stand des Wissens geschult und
  • kann zwischen chronischen und akuten Schmerzen differenzieren (Siehe auch „Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen „)
  • Verfügt über Kompetenzen zur Planung und Koordination bezogen auf das Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen
  • Verfügt über Kompetenz zur Evaluation des gesamten Schmerzmanagements

Die praktische Umsetzung des Expertenstandards Schmerz zeigt sich in den sogenannten Prozesskriterien.

Die Komplexität des Themas möchten wir anhand des folgenden Schaubilds einmal verdeutlichen.

Expertenstandard Schmerz

Es ist, wie bei allen Expertenstandards, in erster Linie Aufgabe der jeweiligen Einrichtung, das Ganze mit Leben zu füllen. So sollten Sie im QM-Handbuch zumindest einen Standard mit der Bezeichnung Schmerzmanagement o.ä. vorfinden. Dieser wird vor allem die Prozesskriterien so beschreiben, dass Sie damit gut arbeiten können.

Das Stufenschema der medikamentösen Schmerztherapie

Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es ein 3-stufiges Schema der analgetischen Therapie. Hier ist es ggfs. auch Ihre Aufgabe als examinierter Altenpfleger und Pflegefachkraft auf die Umsetzung des Schemas zu achten. Manchmal, und das kennen Sie sicher auch aus der Praxis, müssen Ärzte einfach an sowas erinnert werden.

Expertenstandard Schmerz Stufenschema

Es ist vorgesehen, dass zu jeder Stufe unterstützende Maßnahmen (z.B. Physiotherapie), sowie eine entsprechende Co-Medikation angewendet werden. Sie dürfen als Pflegefachkraft selbstbewusst für dieses Schema einstehen. Leider gibt es noch immer Ärzte, die unsicher sind, wenn es um die Verordnung von erforderlichen Schmerzmedikamenten geht. In palliativen Pflegesituationen kann dies unangenehme Folgen für alle Betroffenen, insbesondere jedoch für die pflegebedürftige Person, haben. Scheuen Sie daher nicht, sich auch externe Hilfe zu holen.

Nicht-medikamentöse Schmerztherapie

Hier wird von der Pflegefachkraft ein gewisses Maß an Beobachtungsgabe und Kreativität gefragt. Es gibt zunächst eine Regel: Was gut tut, ist erlaubt.

Zur nicht-medikamentösen Schmerztherapie gehören:

  • Wärme-/Kälteanwendung (individuell sehr unterschiedlich)
  • Ablenkung (Gespräche, Hobbies, Musik, Handarbeit, etc.)
  • Einreibungen (wirken oft entspannend)
  • Massagen (ebenfalls entspannend; regen die Blutzirkulation und den Stoffwechsel an)
  • Aromatherapie (bitte nur 100% naturreine ätherische Öle verwenden – Dosierung beachten)
  • Humor (Lachen wirkt sich positiv auf den gesamten Organismus aus)
  • Akupressur (durch Stimulation bestimmter Druckpunkte kann Schmerzempfinden gemindert werden)
  • Akupunktur
  • Autogenes Training (Entspannungsübungen, Sinnesreisen)
  • Seelsorge (Gespräche mit Psychologen, Pfarrer etc.)

Hier gilt es auszuprobieren und zu beobachten, welche Maßnahmen Linderung verschaffen. Selbstverständlich müssen diese Beobachtungen dokumentiert werden, damit alle an der Versorgung beteiligten informiert sind.

Zudem hat das Ausprobieren an sich schon eine positive Wirkung auf die betroffene Person. Sie merkt, dass man sich um sie kümmert und alle Hebel in Bewegung setzt, um der Schmerzen Herr zu werden.

Expertenstandard chronische Schmerzen – Zusammenfassung

Das Thema „chronische Schmerzen“ ist sehr komplex und muss immer individuell betrachtet werden. Einen konkreten Zeitpunkt für die „Chronifizierung“ gibt es nicht.

Pflegefachkräfte sind auf ein gutes interdisziplinäres Miteinander angewiesen. Den größten Einflussfaktor haben Pflegekräfte im Bereich der nicht-medikamentösen Schmerztherapie. Hinzu kommt, dass ihre Beobachtungen von enormer Bedeutung sind. Schließlich liefern sie dem behandelnden Arzt wichtige Informationen, was die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie betrifft.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg in der Umsetzung des Expertenstandards chronische Schmerzen. Über weitere Tipps zu nicht-medikamentösen Maßnahmen würden wir uns freuen.

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