
Eine gute Pflegeplanung entscheidet darüber, wie zielgerichtet und nachvollziehbar Ihre Arbeit als Pflegefachkraft ist – und wie sicher Sie sich beim Schreiben fühlen. In diesem Beitrag finden Sie zwei vollständige Pflegeplanung Beispiele mit konkreten Formulierungen für Probleme, Ressourcen, Ziele und Maßnahmen, dazu die Übersicht der AEDL-Bereiche und die häufigsten Fehler, die Ihnen die Arbeit unnötig schwer machen.
Warum die Pflegeplanung mehr ist als Pflichtprogramm
Die Pflegeplanung ist gesetzlich verankert, im SGB XI ebenso wie in den Landesheimgesetzen. Wer sie nur als bürokratische Übung betrachtet, verschenkt aber ihren eigentlichen Nutzen. Eine sorgfältig geschriebene Pflegeplanung ist eine Arbeitsanleitung für das gesamte Team, ein Nachweis der professionellen Pflege gegenüber MDK und Heimaufsicht – und ein Werkzeug, das Ihnen selbst Sicherheit im Alltag gibt.
Als Pflegefachkraft, examinierte Altenpflegerin oder Gesundheits- und Krankenpflegerin gehört das Schreiben von Pflegeplanungen zum festen Handwerkszeug. Wer hier unsicher ist, verliert im Alltag wertvolle Zeit – und im Vorstellungsgespräch bei einem neuen Arbeitgeber schnell an Souveränität. Umgekehrt gilt: Wer Pflegeplanungen sicher schreiben kann, hat im Bewerbungsprozess und im Berufsalltag einen klaren Vorteil.
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Aufbau einer Pflegeplanung: Die fünf Schritte des Pflegeprozesses
Jede Pflegeplanung folgt demselben Grundgerüst, unabhängig davon, ob Sie nach AEDL, nach Krohwinkel oder in einem anderen Modell dokumentieren:
- Informationssammlung: Alle relevanten Daten zum Bewohner oder Patienten erfassen – Diagnosen, Biografie, Gewohnheiten, soziales Umfeld.
- Pflegeprobleme und Ressourcen erfassen: Was kann die Person nicht mehr selbstständig? Was kann sie noch?
- Pflegeziele festlegen: Was soll erreicht oder erhalten werden – realistisch und überprüfbar formuliert.
- Pflegemaßnahmen planen: Konkrete Handlungen, die zur Zielerreichung führen, inklusive Häufigkeit und Verantwortlichkeit.
- Durchführung und Evaluation: Maßnahmen umsetzen, dokumentieren und in festgelegten Abständen überprüfen, ob das Ziel erreicht wurde.
Wichtig: Diagnosen allein sind kein Pflegeproblem. Erst die daraus entstehende Beeinträchtigung der Selbstständigkeit – etwa in der Mobilität, der Körperpflege oder der Ausscheidung – wird zum Pflegeproblem, das in der Planung bearbeitet wird. Diesen Unterschied konsequent zu beachten, ist der größte Hebel für eine saubere, prüfungssichere Pflegeplanung.
Die 13 AEDL-Bereiche nach Krohwinkel im Überblick
Das AEDL-Modell von Monika Krohwinkel gliedert den Menschen in dreizehn Lebensbereiche, die als Grundlage für die Pflegeplanung dienen. Nicht jeder Bereich ist bei jedem Bewohner relevant – entscheidend ist, wo tatsächlich ein Pflegeproblem vorliegt:
- Kommunizieren können
- Sich bewegen können
- Vitale Funktionen aufrechterhalten können
- Sich pflegen können
- Essen und trinken können
- Ausscheiden können
- Sich kleiden können
- Ruhen, schlafen und sich entspannen können
- Sich beschäftigen können
- Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können
- Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können
- Soziale Bereiche des Lebens sichern können
- Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Für die Praxis heißt das: Sie prüfen bei jedem Bewohner systematisch, in welchen dieser Bereiche tatsächlich eine Beeinträchtigung vorliegt, und dokumentieren nur dort ausführlich. Ein Bewohner ohne Ernährungsprobleme braucht keine seitenlange Pflegeplanung zum Essen und Trinken – ein kurzer Ressourcenvermerk genügt.
Pflegeplanung Beispiel: Muster für den Bereich Mobilität
Damit die Theorie greifbar wird, hier ein vollständiges Pflegeplanung Beispiel für einen fiktiven Bewohner mit eingeschränkter Mobilität nach einem Sturz:
Ausgangssituation: Herr M., 78 Jahre, lebt seit sechs Monaten im Seniorenheim. Nach einem Sturz vor drei Wochen ist er unsicher beim Gehen und vermeidet zunehmend das Aufstehen aus eigenem Antrieb.
Pflegeproblem: Herr M. kann sich aufgrund von Gangunsicherheit und Sturzangst nicht mehr sicher und selbstständig fortbewegen. Er zeigt sich beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl zunehmend zögerlich und benötigt verbale Anleitung sowie teilweise körperliche Unterstützung.
Ressourcen: Herr M. ist kognitiv orientiert, kooperativ und motiviert, seine Mobilität zu verbessern. Er kann mit Unterstützung eines Rollators kurze Strecken zurücklegen.
Pflegeziel: Herr M. bewegt sich innerhalb von vier Wochen mit dem Rollator sicher und ohne Sturzangst über eine Strecke von 15 Metern im Wohnbereich.
Pflegemaßnahmen:
- Tägliches Mobilitätstraining mit Rollator, zweimal täglich, unter Anleitung der Pflegefachkraft
- Transfer Bett–Rollstuhl konsequent mit Sicherung durch eine zweite Person begleiten
- Rutschfestes Schuhwerk und Sturzprophylaxe-Maßnahmen im Zimmer sicherstellen (Nachtlicht, freie Wege)
- Ermutigende, ruhige Kommunikation, um Sturzangst schrittweise abzubauen
Evaluation: Wöchentliche Überprüfung der zurückgelegten Strecke und des Unterstützungsbedarfs, Anpassung der Maßnahmen bei ausbleibendem Fortschritt oder neuem Sturzereignis.
Pflegeplanung Beispiel: Muster für den Bereich Körperpflege bei Demenz
Ein zweites Praxisbeispiel, diesmal aus dem Bereich Körperpflege bei einer Bewohnerin mit fortgeschrittener Demenz – einer der häufigsten Anlässe für eine Pflegeplanung im Seniorenheim:
Ausgangssituation: Frau S., 84 Jahre, lebt seit zwei Jahren im Wohnbereich für Menschen mit Demenz. Sie zeigt zunehmend Abwehrverhalten bei der Ganzkörperwäsche, besonders am Morgen.
Pflegeproblem: Frau S. kann sich aufgrund der fortgeschrittenen Demenz nicht mehr eigenständig waschen und reagiert bei der Übernahme der Körperpflege durch das Personal häufig mit verbaler und teils körperlicher Abwehr.
Ressourcen: Frau S. reagiert positiv auf vertraute Stimmen und ruhige Ansprache. Am Nachmittag zeigt sie deutlich weniger Abwehrverhalten als am Morgen.
Pflegeziel: Frau S. lässt die Ganzkörperpflege innerhalb von zwei Wochen ohne Abwehrverhalten zu, wenn diese am Nachmittag und durch eine vertraute Bezugsperson durchgeführt wird.
Pflegemaßnahmen:
- Körperpflege möglichst durch dieselbe Bezugspflegekraft und bevorzugt am Nachmittag durchführen
- Vor Beginn der Pflege ruhig ankündigen und Schritt für Schritt erklären, was als Nächstes passiert
- Biografiewissen nutzen, etwa vertraute Gerüche oder Musik während der Pflege einsetzen
- Bei Abwehr Pause einlegen, nicht gegen den Widerstand arbeiten, später erneut ansetzen
Evaluation: Wöchentliche Auswertung, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit die Pflege ohne Abwehrverhalten gelang, Anpassung der Tageszeit oder Bezugsperson bei ausbleibendem Erfolg.
Dieses Schema – Problem, Ressource, Ziel, Maßnahme, Evaluation – lässt sich auf jeden der 13 AEDL-Bereiche übertragen, von der Ernährung über die Ausscheidung bis zum sozialen Umfeld.
Pflegeziele formulieren: Darauf kommt es an
Viele Pflegeplanungen scheitern nicht an der Idee, sondern an der Formulierung der Ziele. Ein gutes Pflegeziel ist:
- Konkret: Statt „Mobilität verbessern“ lieber „legt eine Strecke von 15 Metern mit Rollator zurück“.
- Messbar: Eine klare Größe, an der Sie später den Erfolg ablesen können.
- Realistisch: Ein Ziel, das der Bewohner mit seinen Ressourcen tatsächlich erreichen kann – Überforderung demotiviert und verfälscht die Evaluation.
- Terminiert: Mit einem Zeitrahmen versehen, damit die Evaluation einen Bezugspunkt hat.
Wer Pflegeplanung erstellen möchte, ohne bei jedem Bewohner neu zu grübeln, profitiert von einem festen Formulierungsraster im Hinterkopf: Problem benennen, Ursache verstehen, Ressource nutzen, Ziel definieren, Maßnahme ableiten. Hilfreich ist außerdem, Ziele konsequent aus Bewohnersicht zu formulieren – nicht „wir fördern die Mobilität“, sondern „Herr M. bewegt sich sicher“, denn die Pflegeplanung beschreibt den Zustand des Bewohners, nicht die Tätigkeit des Personals.
Typische Fehler beim Pflegeplanung schreiben vermeiden
In der Praxis wiederholen sich bestimmte Fehler immer wieder:
- Diagnosen statt Probleme: „Demenz“ oder „Schlaganfall“ sind keine Pflegeplanungsgrundlage – erst die daraus resultierende Beeinträchtigung, etwa Orientierungslosigkeit oder Halbseitenlähmung, wird zum Pflegeproblem.
- Zu allgemeine Ziele: „Wohlbefinden fördern“ oder „Lebensqualität erhalten“ lassen sich nicht evaluieren und sollten durch konkrete, beobachtbare Ziele ersetzt werden.
- Fehlende Aktualisierung: Eine Pflegeplanung, die nach der Erstellung nie wieder angepasst wird, verliert ihren Wert und ihre rechtliche Aussagekraft – gerade bei Prüfungen fällt das schnell auf.
- Widerspruch zur Pflegedokumentation: Was im Pflegebericht steht, muss sich in der Planung wiederfinden. Klaffen beide Dokumente auseinander, wird es bei MDK-Prüfungen kritisch.
- Copy-Paste zwischen Bewohnern: Standardformulierungen sparen Zeit, dürfen aber nie die individuelle Situation des jeweiligen Bewohners überdecken.
Gerade beim Übergang zwischen klassischer Pflegeplanung und der Strukturierten Informationssammlung (SIS) entstehen häufig Unsicherheiten. Wie Sie typische Stolperfallen dabei vermeiden, lesen Sie in unserem Beitrag SIS pragmatisch umsetzen.
Pflegeplanung in speziellen Bereichen: Ernährung und Wundversorgung
Neben Mobilität und Körperpflege gehören Ernährung und Wundversorgung zu den Bereichen, in denen eine präzise Pflegeplanung besonders wichtig ist – hier wirken zusätzlich verbindliche Expertenstandards, die konkrete Anforderungen an Assessment, Maßnahmen und Dokumentation stellen. Wie Sie eine strukturierte Pflegeplanung bei Mangelernährungsrisiko aufbauen, erfahren Sie im Beitrag zum Expertenstandard Ernährungsmanagement. Für die Dokumentation bei chronischen Wunden lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag zum Expertenstandard chronische Wunden.
Wer diese Systematik einmal verinnerlicht hat, schreibt Pflegeplanungen spürbar schneller – und mit mehr Sicherheit, wenn es im Vorstellungsgespräch oder bei einer MDK-Prüfung konkret wird.
Häufige Fragen zur Pflegeplanung
Was gehört zwingend in eine Pflegeplanung?
Eine vollständige Pflegeplanung enthält mindestens die aktuellen Pflegeprobleme, die vorhandenen Ressourcen des Bewohners, konkrete und terminierte Pflegeziele sowie die daraus abgeleiteten Pflegemaßnahmen. Ergänzend gehört die regelmäßige Evaluation dazu, damit die Planung nachvollziehbar bleibt.
Wie oft muss eine Pflegeplanung aktualisiert werden?
Eine feste bundeseinheitliche Frist gibt es nicht, üblich sind Evaluationen alle vier Wochen sowie zusätzlich immer dann, wenn sich der Zustand des Bewohners spürbar verändert, etwa nach einem Sturz, einem Krankenhausaufenthalt oder einer neuen Diagnose.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegeplanung und SIS?
Die klassische Pflegeplanung nach AEDL oder Krohwinkel arbeitet mit einem festen Kategorienraster aus 13 Lebensbereichen. Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) ist Teil des Strukturmodells und setzt stärker auf eine individuelle, freie Beschreibung der Situation, aus der sich Maßnahmen ableiten. Viele Einrichtungen nutzen heute eine Kombination aus beiden Ansätzen.
Wie formuliere ich ein Pflegeziel richtig?
Ein gutes Pflegeziel beschreibt einen konkreten, messbaren Zustand, den der Bewohner innerhalb eines festgelegten Zeitraums erreichen soll – zum Beispiel „legt innerhalb von vier Wochen eine Strecke von 15 Metern mit dem Rollator zurück“ statt der allgemeinen Formulierung „Mobilität verbessern“.
Zählt die Pflegeplanung auch im Vorstellungsgespräch?
Ja. Viele Einrichtungen prüfen im Vorstellungsgespräch gezielt, wie sicher Bewerberinnen und Bewerber mit Pflegeplanung, Pflegeprozess und Dokumentation umgehen. Wer hier ein klares Beispiel nennen kann, hinterlässt einen deutlich professionelleren Eindruck als mit allgemeinen Aussagen.


